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Fermentative Gewinnung von Aminosäuren
und Vitaminen mit Corynebacterium glutamicum
Corynebacterium glutamicum ist ein Gram-positives,
nicht-pathogenes und schnellwachsendes Bodenbakterium mit großer
biotechnologischer Bedeutung. Es wurde in den 50er Jahren in Japan
als natürlicher Glutaminsäureproduzent entdeckt.
Mittlerweile wurden für nahezu alle biogenen Aminosäuren
und eine Reihe weiterer Substanzen wie Nukleotide und Vitamine
fermentative Produktionsprozesse mit C. glutamicum und nahe
verwandten Organismen entwickelt.
Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich auf vielfältige
Weise mit der genetischen Analyse dieser Produktionsprozesse
(Pühler und Kalinowski 1995). So werden hier beispielsweise
genetische Methoden, wie Systeme zur Transposonmutagenese für
diese Organismen, entwickelt (Tauch et al. 1995). Daneben wird das
zirkuläre, etwa drei Megabasen große Chromosom von C.
glutamicum physikalisch und genetisch kartiert (Bathe et al.
1996). Es wird an der Charakterisierung und Erkennung von C.
glutamicum-Promotoren gearbeitet, und es werden zelluläre
Kontrollmechanismen für die balancierte Aminosäuresynthese,
wie z. B. die stringente Kontrolle, untersucht (Wehmeier et al.
1998). Als Produkt ist neben den Aminosäuren Lysin
(Fernández-González et al. 1996), Threonin und
Isoleucin auch das Vitamin Pantothensäure interessant. Die
Pantothenatproduktion wird parallel in C. glutamicum und
Escherichia coli untersucht. Daneben ist die Exkretion von
Proteinen durch C. glutamicum Forschungsgegenstand.
Die etablierten Methoden, die genetische Datenbasis und das aus
dieser Grundlagenforschung erwachsende Wissen über die
Stoffwechselwege und ihre Regulation können zur Konstruktion
effizienter Produktionsstämme eingesetzt werden. Daraus
resultiert ein starkes Interesse der Industrie und internationaler
Förderorganisationen (Europäische Gemeinschaft) an
dieser Forschung. Die Arbeitsgruppe wird zur Zeit durch
Forschungsprojekte der genannten Institutionen und durch das
Graduiertenkolleg "Zelluläre Grundlagen
biotechnologischer Prozesse" gefördert. Dabei gibt es
Kooperationen mit dem Forschungszentrum Jülich, der Degussa
AG und mit Arbeitsgruppen in Spanien, Frankreich und Irland.
In Zukunft soll das gentechnische Methodenspektrum im Hinblick
auf Expressionsanalysen erweitert werden. Daneben sollen die
etablierten Techniken auf weitere Aminosäure- und
Vitamin-Biosynthesen Anwendung finden.
Corynebacterium
glutamicum (linker Bildteil) ist ein Aminosäure-produzierendes
Bodenbakterium. Typisch bei der Zellteilung sind V-förmige
Strukturen (links oben). C. glutamicum wird industriell zur
Aminosäureproduktion eingesetzt und dazu in Fermentern unter
strikter Kontrolle der Prozeß-bedingungen angezogen (rechter
Bildteil). Zur Zeit wird die DNA-Sequenz des C.
glutamicum-Chromosoms bestimmt. In der Bildmitte ist die
physikalische und genetische Karte des Chromosoms dargestellt.
Relevante Publikationen
B. Bathe, J. Kalinowski, and A. Pühler: The physical
and genetic map of the Corynebacterium glutamicum ATCC
13032 chromosome. Mol. Gen. Genet. 252, 255-265 (1996)
C. Fernández-González, J.A. Gil, L.M.
Mateos, A. Schwarzer, A. Schäfer, J. Kalinowski, A. Pühler,
and J.F. Martin: Construction of L-lysine overproducing strains
of Brevibacterium lactofermentum by targeted disruption of
the hom and thrB genes. Appl. Microbiol.
Biotechnol. 46, 554-558 (1996)
A. Pühler and J. Kalinowski: Molekulargenetik am
Beispiel Aminosäure-produzierender Corynebakterien. BIUZ
25(4), 221-229 (1995)
A. Tauch, F. Kassing, J. Kalinowski, and A. Pühler:
The Corynebacterium xerosis composite transposon Tn5432
consists of two identical insertion sequences, designated IS1249,
flanking the erythromycin resistance gene ermCX. Plasmid
34, 119-131 (1995)
L. Wehmeier, A. Schäfer, A. Burkovski, R. Krämer,
U. Mechold, H. Malke, A. Pühler, and J. Kalinowski: The role
of the Corynebacterium glutamicum rel gene in (p)ppGpp
metabolism. Microbiology 144, 1853-1862 (1998)
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